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Chronik eines Lockdowns: 2021 in Vietnam


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Geschrieben

... und fast die ganze Zeit in den eigenen 4 Wänden.

Na ja, fast.

So gut wie das ganze Jahr hocke ich in meinem Expatdasein in Hồ Chí Minh City im eigenen Apartment. Jeden Tag die gleichen 4 Wände, für mich und meine Frau. Wenigstens haben wir mehrere Zimmer.

Was «der Westen» schon 2020 mitgemacht hat, machen wir hier im 2021 durch, darum wird dieser Report aus 2021 sowohl unsere (meine mittlerweile Frau ist ja auch immer dabei) Reisen, als auch die näheren und weiteren Umstände beleuchten. Das Ganze ist dank wohl bekannter Umstände teilweise recht textlastig,

 

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Nach mittlerweile anderthalb Jahren bin ich immer noch für eine entfernte Verwandte und sehr gute Bekannte meiner Frau und mir tätig, sie und Ihr Mann (ein Künstler) bringen jungen Kindern von 4 bis 12 Jahren die Natur mittels Kunstmalerei näher (Ausflüge, Kurse, Workshops, etc.) und ich helfe Ihnen beim erweitern, planen und was sonst noch so alles anfällt.

 

Doch fängt eigentlich alles ganz harmlos an – mit einem Trip zu Silvester in die Highlands:

 

Ende Dezember 2020/Anfang Januar 2021: Neujar in Đà Lạt

 

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In Mũi Né sind wir schon x mal gewesen, zum Jahresabschluss zieht es uns per Bus (dem auf der Strasse) in die kühlen kalten Highlands. Zum ersten Mal per Nachtbus (der Trip dauert 6-8 Stunden), gelingen mir während einigen davon immerhin etwas Schlaf

 

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Mir ist als Sehenswürdigkeit eine Kabinen Seilbahn zu einem See mitsamt buddhistischem Kloster aufgefallen. Das Kloster nennt sich Trúc Lâm Zen Monastery

 

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Besagte Seilbahn wurde 2002 fertiggestellt, seitdem schweben die Poma-Kabinen über 2,2 km Strecke zur «Talstation» unten beim Kloster, die Bergstation befindet sich in Đà Lạt selber. Der See dahinter heisst «Tuyền Lâm»

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Die Sicht schweift über sanfte Hügel und Wälder, man fühlt sich nicht wirklich in Südostasien 😉

 

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Besagtes Kloster ist ein populäres Zentrum für Meditation und die Lehren des Buddha, Eintritt frei. Trúc Lâm bedeutet Bambuswald; das Kloster ist ein Effort der Regierung um den Zen-Buddhismus in Đà Lạt’s kühlem und friedlichem Klima zu fördern.

@Lubeja vielleicht etwas für dich, wenn dich wieder mal ein Greta-Aficinado-nur-Birkenstock-Sandalen-Möchtegern-Ökofreak in den Wahnsinn treibt ... ?

 

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Kaffeepause in einer Beiz am zentralen See Xuân Hương ...

 

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... bevor wir uns noch das «Valley of Love» (Thung Lũng Tình Yêu) mit einem schönen Rundgang um den dortigen Teich geben

 

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Die Touristenbahn auf der ehemaligen Zahnradbahn nach Tháp Chàm fährt immer noch fleissig

 

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Zurück nach HCMC, wiederum per Bus. Es gibt zwei übliche Anbieter, Thành Bưởi und Phương Trang (Futa)

 

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So lässt es sich 6 Stunden ganz ordentlich aushalten ...

 

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... und Vietnams Landschaft geniessen

Unverändert werden dann und wann Wohnblocks abgeriegelt sobald es einen positiven Covid-Fall gibt, doch im grossen und ganzen ist die Lage noch stabil. Wenn das nur auf die Dauer gut geht ...

 

Januar 2021 – Strandwochenende in Mũi Né

Fürs Tết – das vietnamesische Neujahrsfast, können und wollen wir auch nicht in den Norden nach Hà Nội, da die Verwandten ebenfalls im Lockdown vor sich hin seucheln, und man sowieso Reisen(den) jedweder Art skeptisch gegenüber tritt.

 

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So verziehen wir uns für ein Wochenende an einen unserer Lieblingsorte, das hatten wir schon 1 oder 2 mal, darum lasse ich hier nur die Bilder sprechen

 

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Noch ist nicht viel zu sehen vom Bäuchlein😉

 

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Ein Freiburger betreibt hier in der Provinz eine Beiz namens «Swiss House» - probiert und für gut befunden, man was hatte der Freude an Besuch von Landsleuten – auch wenn ich von ennet dem Röstigraben bin

 

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Der Frühling

 

Kurz nach unserer Hochzeit fühlte sich meine Frau nicht wohl und wir gingen zum Arzt – das Resultat ? Sie hat sich einen «Virus» eingefangen, gegen das es keine Medizin gibt – man kann nur 9 Monate warten bis er von selber raus kommt 😉

Eine globale Pandemie ist unterwegs und wir erwarten Nachwuchs - wenn das nur gut kommt.

 

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Da wir und ich mit dem neuen Job finanziell etwas kürzer treten müssen, schaue ich mich unverdrossen und fleissig weiter um und lande im März eine Teilzeit-Stelle bei einer Fischhandelsfirma, die Ihre Shrimps und Flossenkasper nach Europa exportieren und weiter expandieren möchte. Immerhin.

 

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Viel gibt es über die ersten paar Monate von 2021 nicht viel zu erzählen; der Bauch meiner Frau sowie die Covid-Fallzahlen wachsen – die Delta-Variante (nicht die Airline...) ist angekommen und lässt die Werte in ungeahnte Höhen steigen. Für die Zero-Covid-Politik der Regierung natürlich nicht gerade förderlich und Anlass zu mancherlei Sorgen

 

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Auch ich musste nachsehen was das ist - es ist «nur» ein 1964er Ford Mustang. Diesen bekam man auch in 007 – Goldfinger zu sehen. Der stand da einfach so vor unserem australischen Stammmetzgerladen

 

26. bis 29. März 2021: Hà Nội und Ninh Bình

Schon für letzten November hatte ich dieses Wochenende nach Hà Nội mit meiner Frau geplant, doch der embryonale Nachwuchs und Covid machen dem einen dicken Strich durch die Rechnung und wir buchen auf März um. Die Virus-Lage hat sich etwas beruhigt und der Bruder meiner Frau nimmt uns mitsamt seiner Familie mit nach Ninh Bình

 

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Schlechte Nachrichten: dies sind die beiden einzigen Flüge dieses Reports. Und der erste dann auch noch in einer (ungeplanten) Tupperwarebox aus Toulouse. Doofe VNA hat mir wieder einmal die 787 weggechanged -_-

  • ·         VN 242 SGN-HAN

  • ·         ETD 07:00

  • ·         ETA 09:10 (2:10)

  • ·         626 nm / 1'162 km

  • ·         Airbus A321-200 VN-A332 (Bj. 2011)

 

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Huch, eine dicke Cargolux verirrt sich auch noch zu uns 😮

 

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Ereigsnisloser Flug auf einer meiner persönlichen Rennstrecken, inzwischen bin ich SGN-HAN schon 8 mal geflogen (dazu 9 mal HAN-SGN)

 

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Wetter könnte besser sein hier im Norden

 

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Das Mausoleum in der Innenstadt für Onkel Hồ (Chí Minh), in dem sein einbalsamierter Leichnam liegt

 

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Blick zurück auf das erst 2014 eröffnete Gebäude der Nationalversammlung Vietnams, der einzigen Kammer des Parlaments. Es ist der Öffentlicheit zugänglich

 

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Das Museum der vietnamesischen Militärgeschichte hat leider geschlossen, davor steht die berühmte MiG-21 «4324» die im Vietnamkrieg 14 Feindflugzeuge abgeschossen haben soll (man beachte die Sterne auf der Nase)

 

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Ja gut, dann gehen wir halt zur Kaiserlichen Zitadelle «Thăng Long». Die etwas über 1'000 Jahre alte Anlage und Kaisersitz bis 1789 wurde von den Franzosen fast ganz abgerissen (ausser dem Flaggenturm und Nordtor – hier im Bild), da Messiö Kolonialherren mehr Platz brauchten für Büros und Barracken

 

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Am nächsten Tag nieselt es munter weiter, unterdessen sind wir in der Provinz Ninh Bình etwa 100 km südlich von Hà Nội eingetroffen

 

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Mit den Kalksteinfelsen und Seen dazwischen ein immer populäreres Touristenziel. Fische füttern hätte man auch noch können (unten in der Bildmitte zu sehen) 😉

 

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Per Drahtesel umrunde ich den Tümpel einmal, recht nett gemacht

 

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Weiter geht es an einer anderen Touristenlocation den Berg hoch. Bei Nässe und Nieselregen eine nicht ungefährliche Kletterpartie

 

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Momoll, recht friedlich hier. Reisfelder soweit der Blick geht

 

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... auf dem Weg hinauf bin ich einfach nur fasziniert ...

 

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Das Treppchen ist rutschig und nicht wirklich gesichert, also Vorsicht ...

 

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... doch es lohnt sich !

 

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Keine Ahnung was der abverheite Drachenschwanz da im Feld soll ...

 

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Versuch eines Panoramas mit der Frisur irgendeiner Unbekannten im Bild, bevor ich wieder nach unten rutsche

 

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Nicht fehlen darf der obligate Tempel

 

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Am letzten Tag sind meine Frau und ich wieder zu zweit, die Familie ist schon wieder in die Hauptstadt entflohen da die Arbeit ruft. Doch das Wetter ist nicht wirklich besser ...

 

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... auch auf der landschaftlich schönen Bootsrundfahrt

 

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Dazu hat man auch schon Hollywood hierher gelockt: der Monsterfilm «Kong: Skull Island» von 2017 wurde stellenweise hier gedreht

 

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Durch abgeschiedene Täler, nur auf dem Flussweg zu erreichen ...

 

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... ist Ninh Bình inzwischen durch seine Landschaften und Kalksteinfelsen sowie diverse Berichte und Filme ein populäres Ziel zur Naherholung, der Tourismus zieht (leider) momentan rasant an

 

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Ein Hotelangestellter nimmt uns gleich die 2 Autostunden mit nach Hà Nội, da er ohnehin dort hin muss und lädt uns am Nội Bài Airport aus. Gerade noch rechtzeitig, denn das Verkehrschaos sorgt dafür das ich immer wieder sorgenvoll auf die Uhr blicke ...

 

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.. doch es reicht noch – A350: checked !

  • ·         VN 275 HAN-SGN

  • ·         ETD 18:00

  • ·         ETA 20:15 (2:15)

  • ·         626 nm / 1'162 km

  • ·         Airbus A350-900 VN-A899 (Bj. 2019)

 

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Schon bei Dunkelheit setzen wir wieder in SGN auf

 

April 2021

Erstens kommt es schlimmer ...

 

https://e.vnexpress.net/news/news/covid-epicenter-bac-giang-turns-ghost-town-4285199.html

... zweitens schlimmer als man denkt. Lange Zeit haben wir relative Ruhe gehabt, doch mit der Ankunft von Delta und Omicron steigen die Fallzahlen an diversen Orten durch die Decke und es wird nahezu unmöglich, alle und alles zu isolieren und Kontakte zurückzuverfolgen.

 

Die Bescherung sind strikte Lockdowns allenthalben, während sich meine hochschwangere Frau auf die Geburt vorbereitet. Der Termin ist Anfang Juli, das Schreckgespenst einer totalen Ausgangssperre schwebt dabei die ganze Zeit über uns.

 

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Mittlerweile ist es Ende Mai geworden und die Regenzeit ist eingetroffen – das ist nicht etwa ein Kanal, sondern unsere Strasse vor der Wohnblocktür

 

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Unterdessen werden die Restriktionen immer mehr, auch mein Teilzeitjob ist im Sand verlaufen. Trotzdem sehe ich mich weiter verbissen um, schreibe Software-, Handels- und Transportfirmen an – oft ohne jegliche Rückmeldung oder Erfolg

 

Doch: eines Tages im Juni trudelt tatsächlich ein Vorstellungsgespräch für eine Softwarefirma ein – Supportjob, wenn möglich deutschprachig und die Website sowie Reviews der Firma sehen auch vielversprechend aus. Ich trauee dem Braten noch nicht 100-%ig, doch sage selbstverständlich zu, das Gespräch mit einer Portugiesin (der Teamleiterin und meiner evtl. zukünftigen Vorgesetzten) und einer Schweizerin (Leiterin Sales) verläuft gut – man würde sich dann melden.

 

Eine Übersicht schreibe ich in einem anderen Forum am 8.8.2021 wie es uns bis hierher ergangen ist:

Zitat

Mitte Januar 2020 wurden die Grenzen vorest mal zu China sofort geschlossen, alle Neuankömmlinge in Quarantäne gesteckt und getestet. Nachdem die Fälle um sich griffen und die Situation sich global mehr und mehr verschärfte, schlossen die Behörden Mitte März 2020 alle Grenzen bis auf weiteres. Dies ist bis heute so.

Als Ausländer kommt man nur mit einem Sponsor, also einem Arbeitgeber der für einen garantiert, rein. Dazu braucht man die Autorisierung des Arbeitsministeriums, der Gesundheitsbehörde, eine Flugbuchung via einem lokalen Büro der Airline, Buchung eines von der Regierung genehmigten Quarantäne-Hotels für 14 Tage plus Buchung des Transfers vom Flughafen dahin.

Die Kosten variiren von ca. 3'000 bis 5'000 USD, mir ist der Fall eines Japaners bekannt, der 30'000 Dollar bezahlt hat, nur um einzureisen.

Das ganze System wurde dann auch noch "missbraucht" von Visa-Agenturen, die Ausländer mit Scheinfirmen ins Land geholt haben. Diese wurden und werden aussortiert und drakonisch bestraft.


Ausgerechnet eine Gruppe Chinesen hatte Ende April 2021 das Gefühl, sie müssten sich nach der Einreise nicht an die Quarantäneregeln halten und könnten ein wenig umherfahren - das Resultat: inzwischen sind wir seit über 3 Monaten in der desaströsen 4. Welle, der grössten bisher mit 175'000 Fällen und inzwischen über 2'300 Toten.

Zum Vergleich: die vorherigen 3 Wellen von Anfang der Pandemie bis April 2021 beinhalteten knapp 3'000 Fälle und 35 Tote INSGESAMT ...

Die ganze Gesundheits-Infrastruktur in Vietnam ist schlicht nicht auf eine Epi- oder Pandemie dieses Ausmasses vorbereitet, geschweige denn imstande, sie aufzunehmen. Die öffentlichen vietnamesischen Spitäler waren schon vor Covid chronisch überlastet, Wartezeiten von mehreren Stunden ganz normal.
Nun werden notfallmässig Zelt-Spitäler aufgebaut und bestehende umfunktioniert, so das man die Leute überhaupt behandeln kann.

Hier in Ho Chi Minh City ist alles abgeriegelt, man kann sein Wohnviertel nicht verlassen ausser in einem Notfall. Im Viertel bewegen und Essen einkaufen geht noch, aber die allermeisten Lieferungen wurden eingestellt, nur die allernötigsten Geschäfte haben offen. Teilweise liegen die Patienten in zeltartigen Not"spitälern", angeschlossen an Sauerstoffgeräte. Die leicht symptomatischen und wenig gefährdeten Fälle (aber nur die) und wo jemand aufpassen kann, dürfen das Virus zu Hause auskurieren ...

Die Warenvorräte sind immer ruckzuck ausverkauft (Fleisch, Gemüse, Babymilch, Hygieneartikel, ... ), die Leute hamstern und frische importe hinken hinterher, weil fast niemand zur Arbeit geht oder gehen kann.


Auf den Highways in die Provinzen rundherum gab es lange Karawanen von Motorrädern (angeführt von der Polizei) , auf denen ihre Besitzer zurück in ihre Heimatprovinz gereist sind. Was sollen sie auch in der Stadt, wo gähnende Leere herrscht ... ?


Die vietnamesischen Behörden betreiben die ganze Covid-Strategie (auf zero-covid ausgelegt) rigoros und konsequent. Wird irgendwo ein F0 (positiver Corona-Fall) entdeckt, wird sofort der gesamte Wohnblock/Strasse/Quartier unter Quarantäne gestellt, alle Bewohner getestet und unter Quarantäne beobachtet. Je nach dem werden dann die Kontakte zurückverfolgt und getestet.
Unter Quarantäne gestellt heisst dabei, keiner kommt mehr rein und raus. Egal wer gerade zu Hause war, wer gerade drin ist bleibt drinnen.

Auch die Maskenpolitik ist sehr strikt. Überall ausser in den eigenen vier Wänden wird konsequentes Maskentragen von den Behörden durchgesetzt und bei Nichtbefolgung mit einer Busse bestraft. Um die 3-6 Millionen Dong pro Person (meinte ich), das sind 130-260 CHF.
Verweigerer oder Zweifler gibt es so gut wie keine, nur ein paar ganz wenige. Zum Glück ?

Die Bevölkerung hält sich an die Massnahmen, auch wenn die Wirtschaft natürlich enorm leidet. Für einfache Geschäfte ist dieser momentane Lockdown ein Desaster, aber trotzdem hilft man einander und gegenseitig - zum Beispiel wurden Stadtbusse zweckentfremdet, um herumzufahren und Gemüse zu Verkaufen.
Einige Restaurants geben gratis Mahlzeiten ab !


Dazu muss man sagen, das die Regierung sehr schnell, strikt und effektiv gehandelt hat - aus diesem Grund vertraut die Bevölkerung ihr auch mehr und ist bereit, den Massnahmen zu folgen, auch wenn sie selber darunter leiden. Ausser bei der neuesten Welle seit Ende April, hier hat man es verschlafen, schnell zu handeln. Resultat: 4. Welle, siehe weiter oben. Auch wurde versäumt, genügend Impfstoff zum richtigen Zeitpunkt zu reservieren - man hat sich lieber auf den bisherigen Erfolgen ausgeruht. Geimpfte geniessen vorerst noch keinerlei Privilegien, allerdings hat man kürzlich bekannt gegeben, die Quarantäne auf 7 Tage zu reduzieren.


Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Impfkampagne kommt voran, 70% der über 18jährigen in Ho CHi Minh City haben inzwischen die erste Dosis erhalten. Man verabreicht was man kann, ich selber bin mittlerweile auch angemeldet und morgen Montag dran (meine Frau kann nicht wegen einer kürzlichen Geburt).
Dabei wird nicht zwischen Ausländern oder Einheimischen unterschieden, ganz im Gegensatz zu Thailand, das zuerst die eigene Bevölkerung immunisiert und sich einen Dreck um die dort lebenden Ausländer schert ..
Stand heute sind 8.9 Millionen Menschen einmal geimpft, vollständig immunisiert sind knapp 900'000 - von 97 Millionen ...

Verabreicht wird vornehmlich das berühmte AstraZeneca als 1. Dosis und als zweite Pfizer.


Und dann gibt es Leute, die sich beschweren das ihr Impftermin zu einer Zeit ist, die ihnen nicht genehm ist.


Anyway, sorry für den doch etwas längeren Exkurs. hoffen wir das bessere Zeiten kommen. Das Gerücht, das die Grenzen Anfang 2022 aufgehen sollen, hält sich hier hartnäckig auch wenn ich das momentan kaum glauben kann. Man wird es sehen!

 

Dann am ...

3. Juli 2021

... um 12:08 ist es mit der Zweisamkeit vorbei 😉

 

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Nein das ist nicht meine Frau H.A., sondern eine andere entfernte Verwandte und gute Bekannte von uns, die ihr im Spital zur Seite steht, da aufgrund – genau, der Restriktionen, nur 1 Person im Spital erlaubt ist – die ganzen 5 Tage Aufenthalt über. So sitze ich zu Hause wie auf glühenden Kohlen und spiele den Dolmetscher für die ganze (nicht des englischen mächtige) Verwandschaft per Chat, die sich stetig bei mir nach Neuigkeiten erkundigt. Dazu kann ich den beiden dann einige Sachen dahin bringen resp. spiele Kurier bis zum Spitaltor.

 

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Nach ein paar Tagen darf meine Frau nach Hause, eine alte Bekannte – die beim Europatrip schon erwähnte D. unterstützt uns für die nächsten drei Monate mit dem Kleinen.

Just am Tag als sie zu uns kommt, wird eine Ausgangssperre verhängt, nur noch einkaufen ist einer Person aus dem Haushalt ein mal pro Woche erlaubt.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: die Softwarefirma zeigt sich von mir offenbar sehr angetan, ist momentan im D-A-CH-Raum am expandieren und bietet mir eine Stelle im Support an, ab ersten August. Toll !

 

Allerdings würde ich im Homeoffice anfangen, was dann auch recht gut gelingt. Die Ausgangssperren hingegen bleiben, die Fallzahlen sind konstant – aber sehr hoch, in die zehntausende pro Tag. Doch Ende August verliert die Zentralregierung in Hà Nội endgültig die Geduld ...

 

August 2021 – der totale Lockdown

 

... wird per 23. August 2021 verordnet. Das heisst:

-          - absolut niemand geht mehr vor die Türe, und zwar wirklich keiner - und 24/7

-         -  Die Stadt wird in sich und gegen Aussen total abgeriegelt

sowie

-         - Lebensmittelversorgung durch das Militär

 

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Na toll, und wir haben einen Säugling zu Hause, z.B. Babymilch ist sonst schon nicht einfach zu bekommen. In einem anderen Forum (...) schreibe ich dann und wann ein Update, das erste über den Beginn des totalen Lockdowns. Ich lasse mich mal selber zu Wort kommen:

 

Zitat

 

Freitag, 20. August 2021

Gegen Mittag gaben die Behörden bekannt, das HCMC ab heute Montag in einen totalen Lockdown geht. Sofort wurden die Läden gestürmt und leer gekauft, teilweise regelrecht geplündert. Dabei wurde sich keinen Deut um Distanz zueinander geschert, die Quittung werden wir dann vermutlich in spätestens zwei Wochen erhalten ...

Aus der Anordnung war nicht klar ersichtlich, wie genau die Nahrungsmittelversorgung ablaufen wird ("will be communicated later")

Es war auch nicht ersichtlich, ob es sich um die ganze Stadt handelt (genau, "Details will be communicated later")

 

Viele Ausländer wurden von der Ankündigung kalt erwischt, manche wussten bis zum Abend nichts davon. In den sozialen Netzwerken entlud sich das ganze Wochenende über der Frust über die, in den Augen sowohl vieler Expats als auch Vietnamesen, unsinnigen Anordnung.

Man verstand nicht, warum man uns jetzt nach 2-3 Monaten zu Hause auch noch komplett einsperren will.

 

Der Grund ist recht einfach: über diese 2-3 Monate hatten wir konstant 8'000-9'000 neue Covid-Fälle pro Tag und 300-500 Tote. Nur ist letzte Woche der Zentralregierung in Hà Nội wohl der Geduldsfaden gerissen, man hat daraufhin den Verantwortlichen für HCMC gefeuert und das Diktat mit diesem Dekret übernommen. Erklärtes Ziel: bis 15. September soll die Covid-Situation im ganzen Süden unter Kontrolle sein.

 

 

Samstag/Sonntag 21./22. August 2021

Schon am frühen Morgen und den ganzen Tag über gab es lange Schlangen vor den Geschäften, teilweise warteten die Leute 2 Stunden nur um hineinzukommen und noch einmal eine weitere Stunde, um zu bezahlen. Teilweise fanden die Leute nur noch leere Regale vor.

VOR den Läden wurde sich wieder keinen Deut um Distanz zueinander geschert, dafür wurde die Regelung dann drinnen vom Personal rigoros durchgesetzt.

 

Nach und nach zeichneten sich mehr Details ab: Klar wurde, das die 21 Stadtdistrikte und Thủ Đức City (Zusammenschluss dreier ehemaliger Stadtbezirke, gehört auch zu HCMC) je nach Infektionslage in drei Zonen eingeteilt werden: grün, gelb und rot.

 

- grüne Zonen sollte es erlaubt werden, einmal pro Woche einkaufen zu gehen - ansonsten wie vorher, keiner geht ohne triftigen Grund vor die Türe

 

- in den gelben/roten Zonen würde ein totaler Lockdown in Kraft treten, nur noch Polizei/Schutzkräfte, Personal zur Corona-Bekämpfung und Airline-Personal durfte auf die Strasse, zusätzlich natürlich die medizinischen Notfälle.

 

Dazu trafen Einsatzkommandos der Polizei ein - das sind die Jungs in den Fahrzeugen mit Tarnfarben, die oben zu sehen sind. Dabei handelt es sich nicht um Militär/Armeeangehörige, sondern um Einheiten des CSCD - Cảnh sát Cơ động, dies sind mobile Einheiten der Polizei zum Schutz der Bevölkerung. Sie werden z.B. auch bei Naturkatastrophen wie einem Erdrutsch beigezogen.

Diese Einheiten wären dann dafür verantwortlich, in den gelben und roten Zonen das Essen zu verteilen, in Koordination mit den Supermarktketten.

Am Sonntagabend änderten die Behörden noch einmal ihre Meinung: nun wurden die UBND / People's Committee's (eine Art Stadt- und Distrikt-Verwaltungsbehörde) mit der Verteilung des Essens beauftragt, und dies in der ganzen Stadt. Die Zoneneinteilung war somit hinfällig und für die Tonne.

 

 

Heute Montag, 23. August 2021

Die unklaren und teilweise auch unsinnigen Dekrete haben viel Verwirrung und Unsicherheit gesät. Heute Montag ist immer noch nicht so ganz klar, wie das mit der Essensverteilung läuft und was man sich dann genau liefern lassen kann. Ich gehe davon aus, das es Reis, Reis, manchmal Reis, dann vielleicht noch Reis und wenn man wirklich mal Glück hat, Reis sein wird 😉

Offenbar können wir immer noch per App im Supermarkt bestellen (1x pro Woche), online bezahlen und dann liefert das People's Committee uns das Essen - allerdings wurde irgendwo gesagt, das kein Alkohol geliefert werden soll. Na ja, dann abstinenzle ich halt die nächsten zwei Wochen ein wenig von meinem üblichen Feierabendbier. Schadet auch nicht!

 

Auch einige der übrigen Südprovinzen, wie Bình Dương und Đồng Nai (beide angrenzend an Sài Gòn) stehen unter dem neuen, verschärften Regime. Für uns hat sich nicht viel geändert, wenn auch keine Motorräder und Autos auf der Strasse fahren - es ist so ruhig wie selten noch nie in unserem Viertel.

 

Wir können nun nur hoffen, das sich die Situation bessert. Allerdings habe ich nicht viel Hoffnung dank des vergangenen Wochenendes, wo sich alle im Pulk und ohne Distanz in den Läden um das Essen geprügelt haben.

 

Doch, es gibt auch gute Nachrichten: die Impfungen gehen weiter, inzwischen haben 17 Millionen Menschen die erste Spritze erhalten.

Am Freitag alleine wurden 1,5 Millionen Menschen geimpft.

In HCMC sind 17 Corona-Cluster aktiv, allerdings hat man seit über einer Woche keine neuen Cluster mehr entdeckt. Bis gestern haben sich 85'000 Menschen von der Corona-Infektion erholt.

 

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Was dystopisch wie aus einem Film anmutet, ist real.

 

Unverändert arbeite ich von zu Hause aus weiter so wie die ganze Firma – da wir eine Online-Software entwickeln und supporten, geht das ohne weiteres. Es läuft sehr gut und bald bin ich selbstständiger.

 

1 Woche zieht ins Land, hier das nächste Update vom 28.08. in einem anderen Forum – wiederum von mir selber, man sehe mir den Ton nach. Das ganze stand damals auch im Zeichen der ‘Impfen oder nicht Impfen’-Diskussion:

 

Zitat

 

Nach 1 Woche totalem Lockdown sind wir nicht viel schlauer als zuvor. Die Fallzahlen sind ein wenig gestiegen, von 8'000/9'000 auf 11'000/12'000 pro Tag, an einem Tag (glaube Donnerstag) gab es 17'000 Fälle.

Kein Wunder, nach dem was letztes Wochenende hier los war und sich alle in den Läden um das Essen geprügelt haben.

(Einschub: Allerdings war Klopapier bei uns nie sehr knapp. Muss wohl an den asiatischen Gesässduschen liegen 😉 )


Die Todesraten sind immerhin einigermassen stabil. Ich weiss, es tönt extrem makaber, aber immer noch sterben hier 300-500 Personen pro Tag.

Gesamtzahlen: (Stand 28.08. 18:56 Uhr)
Total Fälle: 418'321, gestern: 12'097

Total Todesfälle: 10'405, gestern: 352

Total Genesese: 210'989, alleine gestern wurden 12'375 Personen entlassen


In den sozialen Netzwerken kursieren Videos, in denen Leichensäcke in Kühlcontainer für die Zwischenlagerung gelegt werden. Zu sehen ist ein ganzer Hof von Containern. Die Krematorien sind hoffnungslos überlastet und kommen nicht hinterher, Nachschub an Särgen gibt es auch nicht, weil keine LKW-Fahrer zur Verfügung stehen, die das umherfahren oder dazu bereit sind.


Die Essenslieferung via Militär klang in der Theorie gut. Man bestellt mit einem vorgedruckten Wisch online (maximal 15 Artikel), das wird einem dann eingekauft, vor die Tür gebracht und man bezahlt per online banking. So weit, so gut.
Nur ist das ganze System jetzt auch hoffnungslos überlastet. Die 10'000 Militärangehörigen, Polizeidienste und Freiwilligen kommen mit den Bestellungen nicht hinterher, jeder ändert dauernd seine Order, dann müssen sie wieder rückfragen, wenn das gewünschte nicht verfügbar ist und so weiter und so fort. Je nach Distrikt wartet man 3-5 Tage auf die Lieferung, sofern sie denn überhaupt akzeptiert wird.
Ein Vietnamese hat Gemüse für 400'000 Dong bestellt und sich liefern lassen, als es gebracht wurde, verweigerte er sowohl die Bezahlung als auch die Ware. Er habe das System nur mal testen wollen.

Die Lokalzeitung hat darüber
sehr kritisch am Freitag berichtet. Normalerweise werden alle News von der Partei zensiert, das heisst wenn sich die kritisch äussern, dann liegt wirklich etwas im argen.

Allerdings hat die Stadtregierung recht schnell reagiert: ab heute steht Grab wieder zur Verfügung in den 8 Hochrisiko-Distrikten (darunter auch unserer), in den restlichen Distrikten durften sie auch letzte Woche liefern.
(Grab ist eine Lieferapp, mit der man sich Essen liefern, ein Taxi/Motorbike Taxi buchen, online einkaufen und noch viel mehr kann. Stammt aus Singapore und operiert mittlerweile in fast ganz Südostasien).
Der Haken: in den Hochrisiko-Gebieten müssen sich alle Fahrer täglich frühmorgens testen lassen (die meisten Lieferfahrer sind mittlerweile prioritär schon geimpft worden). In den Niedrigrisiko-Gebieten ist der Test nur zwei Mal pro Woche verlangt.

Die Ausgangssperre ausser in Notfällen oder zur Impfung bleibt bestehen. Mittlerweile ist unsere Kollegin, die temporär bei uns wohnt, doppelt geimpft mit AZ, ich selber einmal mit AZ und meine Frau hat sich diese Woche den ersten Schuss mit Moderna setzen lassen (Verzögerung wegen einer kürzlichen Schwangerschaft).


Viele sind mittlerweile verunsichert ab der vielen Regeländerungen der Regierung. Vielen kommt es so vor, als ob man Trial-and-error alles versucht, was irgendwie etwas bringen könnte, nur um dann festzustellen, das es nicht funktioniert und dann die Taktik wieder ändert. Momentan gilt der Lockdown bis am 15. September, dann wolle man die Situation unter Kontrolle haben. Für mich ist das noch Wunschdenken, aber ich lasse mich gerne überraschen.


Wenigstens scheint die Situation nur im Süden des Landes ausser Kontrolle zu sein. In Hà Nội hat man ein paar Hundert Fälle entdeckt und sofort Lockdowns und Quarantänen verordnert, auch in Đà Nẵng gilt seit 3 Wochen ein strikter Lockdown (ähnlich wie hier).


Die Regierung bezeichnet die Massnahmen übrigens sämtlich als "Social Distancing" - man hat ausdrücklich betont, das es sich dabei nicht um Lockdowns handelt.


Ich lebe mittlerweile etwas mehr als 2 Jahre hier, aber Hồ Chí Minh City und das ganze Land so zu sehen, bricht mir das Herz. Wir haben nicht genug geimpfte und die Leute sterben wie die Fliegen. Ein
guter Artikel, der die Situation mit Europa vergleicht, ist diese Woche in einer schweizer Onlinezeitung erschienen.
Immerhin gehen die Impfungen weiter: in HCMC sind mittlerweile fast 80% der Bevölkerung 1x geimpft. Auf das ganze Land gerechnet, sind wir bei mickrigen 2%, in Zahlen ausgedrückt: 14,5 Millionen (17,4%) mit einer Dosis und 2,3 Mio. mit doppelter.


Gleichzeitig lese ich täglich über die "Ungeimpften-Debatte" in einigen Staaten Europas. Bei Aussagen wie "ich brauche keine Impfung", "der Impfstoff ist nicht genug getestet worden / ist eine Beta-Version" "alles eine Verschwörung" usw. kommt mir das Kotzen, ich werde zornig und kann mich nur mit Mühe beherrschen.

In z.B. Deutschland oder der Schweiz tut die Regierung alles, um den Leuten klar zu machen, das sie sich zum Schutz der Allgemeinheit und ihrer selbst immunisieren lassen sollen. Es wird einem sprichwörtlich in den Hintern geblasen, und trotzdem lamentiert man über so einen an den Haaren herbeigezogenen Mist irgendwelcher hirnloser Covidioten.

Es ist schon klar: die Entscheidung sollte jeder selber treffen, aber muss dann auch mit den Konsequenzen leben und diese akzeptieren. Entweder persönliche Nachteile, oder man hängt im Spital am Sauerstoffgerät und kriegt kaum Luft. Dann hält sich mein Mitleid aber leider in Grenzen.


Tut mir Leid für die teils deutlichen Worte, es soll sich hier niemand angegriffen fühlen, vor allem nicht die, die sich nicht impfen lassen können.
Es ging mir nur darum, die Situation in der wir uns hier befinden, aufzuzeigen. In DACH ist man vergleichsweise "gut" durch die Pandemie gekommen, so etwas wie einen wirlich extremen Notstand gab es dort nie. In z.B. Spanien ist die Impfbereitschaft extrem viel höher, da man teilweise extreme Zustände hatte und das immer noch irgendwo im Hinterkopf herumgeistert.


Anyway, wir hoffen das sich die Situation in den nächsten zwei Wochen wenigstens etwas verbessert. Wir harren der Dinge, die da kommen werden. Ich liebe Vietnam, dessen Leute und Kulturen und die abwechslungsreiche Landschaft in guten Zeiten, da können schlechte Zeiten nicht viel dran ändern.

 

September 2021

 

Der Herbst ist angebrochen und die Zustände sind nach wie vor die gleichen: Lockdown. Gut in Erinnerung ist mir ein Abend, wo ich aus unserem offenen Schlafzimmerfenster linse und jemanden laut schreien höre – offenbar aus einem anderen Wohnblock. Es schreit sogar jemand von irgendwoher zurück. Verständlich, die Leute sind seit Monaten eingesperrt. Wir können immerhin noch nach unten in die Lobby und vor den Block, aber auch wirklich nur das.

 

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Unser kleiner wächst und stellt uns vor immer weitere neue Herausforderungen.

Doch so langsam ändert die vietnamesische Regierung ihre Herangehensweise – zero-Covid ist dank Delta und Omicron gar nicht mehr möglich. So wird enorm fleissig geimpft, die Fälle sinken und das Einkaufen wird wieder erlaubt, sowie das ganze Versorgungssystem Schritt für Schritt hochgefahren.

 

Der Herbst und Jahresende

 

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Mitte Oktober ist es dann so weit: ich sehe das erste Mal mein Büro in Đa Kao, Distrikt 1 sowie meine Mitarbeiter von Angesicht zu Angesicht. Eine sehr surreale Erfahrung.

 

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Etwas improvisiertes Abendessen

 

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Unsicher bin ich mir ab dieser Chilisorte im Supermarkt ...

 

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.. sowie der Schlafposition dieses Motorbike-Kuriers 😉

 

Die Arbeit bleibt spannend und interessant, da wir im Supportteam Schichtarbeit haben und ich für Europa zuständig bin, beschert mir das einen freien Morgen. Dann Mittagessen zu Hause und gegen Halb zwei ins Büro, wo ich um 14:00 Uhr beginne. Fleissig wird auf english und manchmal deutsch supportet, täglich auch per Zoom. Dann esse ich mit meinen Kollegen gegen 19 Uhr zu Abend, meistens bestellen wir uns was und essen zusammen. Dann geht es im nun fast leeren Büro weiter und ich schliesse meine Schicht um 23 Uhr ab. Auf dem Nachhauseweg kann ich den Gashebel konstant bei 60 km/h lassen – um diese Zeit ist kaum noch Verkehr.

 

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Damit verabschieden ich wir uns für dieses Mal, der nächste Bericht hat dann wieder etwas mehr Flüge, Abwechslung, Bilder ... sowie einen alten Bekannten 😉

 

Bis dahin, euer Jan

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Geschrieben

Danke für den Bericht! Und herzliche Gratulation und beste Wünsche für Euren Nachwuchs!

 

Sehr interessant zu lesen, wie in anderen Ländern mit dieser Situation umgegangen wurde.

Geschrieben

Na dann...😆

 

Am 23.3.2025 um 23:16 schrieb JanBu:

um Jahresabschluss zieht es uns per Bus (dem auf der Strasse) in die kühlen kalten Highlands.

Blablabla... mir hat man im November gesagt "nimm eine Jacke mit, es ist saukalt da oben!!!" - und dann schwitzt man im T-Shirt bei 23° vor sich hin🥵🤣 (und verbrennt sich das Antlitz, weil an Sonnencreme habe ich natürlich auch nicht gedacht, bei der "Kälte"...)

 

Am 23.3.2025 um 23:16 schrieb JanBu:

@Lubeja vielleicht etwas für dich, wenn dich wieder mal ein Greta-Aficinado-nur-Birkenstock-Sandalen-Möchtegern-Ökofreak in den Wahnsinn treibt ... ?

 

Wohl kaum - um mich von sowas zu erholen benötige ich druckbelüftete Kabinenluft und die erhöhten Strahlungwerte auf FL320😆

 

Am 23.3.2025 um 23:16 schrieb JanBu:

 

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Auch ich musste nachsehen was das ist

 

Also bitteschön, die markanten dreifach-Heckleuchten sind eine regelrechte Design-Ikone und machen die Mustangs unverkennbar! Wie kann man das NICHT kennen?!?🧐 Wir machen da mal eine Schulung😛

 

Am 23.3.2025 um 23:16 schrieb JanBu:

Ereigsnisloser Flug auf einer meiner persönlichen Rennstrecken, inzwischen bin ich SGN-HAN schon 8 mal geflogen (dazu 9 mal HAN-SGN)

 

Irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin an der leichten Asymmetrie nicht ganz unschuldig😇

 

Am 23.3.2025 um 23:16 schrieb JanBu:

 

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Weiter geht es an einer anderen Touristenlocation den Berg hoch. Bei Nässe und Nieselregen eine nicht ungefährliche Kletterpartie

 

Ein sehenswerter Flecken Erde, den ich damals verpasst habe. Aber diese Treppe... Könnte man da nicht mal einen Vertreter von Garaventa hinschicken?!?🤣🙈

 

Am 23.3.2025 um 23:16 schrieb JanBu:

 

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Mittlerweile ist es Ende Mai geworden und die Regenzeit ist eingetroffen – das ist nicht etwa ein Kanal, sondern unsere Strasse vor der Wohnblocktür

 

Schade ist das Wasser nicht noch ein wenig höher gestiegen, dann wäre vielleicht die elende Dreckstöle vom Nachbarn drin ersoffen😈. Das kläffende Mistvieh hat mir in genug Nächten den Schlaf verhunzt🙈🤣

 

Am 23.3.2025 um 23:16 schrieb JanBu:

Damit verabschieden ich wir uns für dieses Mal, der nächste Bericht hat dann wieder etwas mehr Flüge, Abwechslung, Bilder ... sowie einen alten Bekannten 😉

 

Perfekt, dann kann ich mir meinen eigenen Trip Report sparen und muss nur ein paar Bildli an deinen anhängen😁😁😁

 

- - -

 

Dem Kleinen geht es gut? Kann er endlich "Boeing" und "Embraer" sagen? Meine damaligen Versuche, ihm solch essentielle Ausdrücke beizubringen, scheiterten damals leider noch🙄😇

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